Für die Vorbereitungswochen auf Eis, die am 5. Oktober in Lillehammer starten, wurden 22 Rodlerinnen und Rodler nominiert. Nach sieben Trainingstagen auf der Olympiabahn von 1994 folgt ein Block im lettischen Sigulda, anschließend kommen die ÖRV-Asse im Rahmen der Homologierung der Igler Bahn (23.-26. Oktober) zum Einsatz. Die weiteren Trainingskurse sind in Cortina, Oberhof, Altenberg, Igls und Winterberg geplant. Im Idealfall werden bis zum Saisonstart 34 Trainingstage abgespult. Der Weltcup wird Ende November in Winterberg eröffnet, Saisonhöhepunkt ist die historische Heim-Weltmeisterschaft im kommenden Februar, wo in Igls erstmals in beiden Sparten – auf der Kunstbahn und im Alpin Rodeln – zeitgleich und am selben Ort um WM-Medaillen gefahren wird.
Neben Madeleine Egle, die nach Ablauf ihrer 20-monatigen Sperre seit 1. September wieder mit dem Team mittrainiert, werden im Soge der Arrivierten auch Paul Socher, Silbermedaillengewinner der Olympischen Jugend-Winterspiele und die amtierenden Junioren-Europameister im Doppelsitzer, JohannesScharnagl/Moritz Schiegl, ins Bahntraining der Arrivierten integriert. Noah Kallan, der sich vor sechs Wochen einen vorderen Syndesmosebandriss im rechten Fuß sowie eine Volkmann-Fraktur, ein Knöchelbruch am unteren Teil des Schienbeins, zugezogen hat, ist rechtzeitig fit, neben dem 21-jährigen Salzburger drängt auch der amtierende Junioren-Vize-Weltmeister Fabio Zauser ins Rampenlicht. Ob sie es mit den Erfolgsgaranten im Herren-Einsitzer, den Brüdern David und Nico Gleirscher sowie Allrounder Wolfgang Kindl aufnehmen können, werden die kommenden Wochen und Monate zeigen. Im Einsitzer gibt es im Weltcup und für die Weltmeisterschaft pro Nation je vier Startplätze. Bei den Damen greifen neben Rückkehrerin Egle Lisa Schulte, Hannah Prock, DorotheaSchwarz und Barbara Allmaier nach den Sternen. Im Doppelsitzer, wo für den Weltcup und die WM je drei Schlitten pro Nation nominiert werden können, ruhen Österreichs Hoffnungen auf den Gesamtweltcupsiegerinnen und Olympia-Dritten Selina Egle und Lara Kipp, sowie Lina Riedl und Anna Lerch, die nach Beendigung ihrer Ausbildung in diesem Winter ihre ersten kompletten Weltcupsaison bestreiten. Bei den Herren kann Rodel Austria auf die Klasse und Erfahrung von Thomas Steu/Wolfgang Kindl, Juri Gatt/Riccardo Schöpf und Yannick Müller/Armin Frauscher bauen.
Sprung ins kalte Wasser
„Wir arbeiten seit Ostern intensiv an der Athletik und habe mit Hochdruck die Entwicklung der neuen Einheitsschlitten, die wir seit zwei Jahren vorangetrieben haben, abgeschlossen. Jetzt bleiben uns sieben Wochen, in denen Mensch und Material auf dem Prüfstand stehen“, so Rodel Austria-Cheftrainer ChristianEigentler, der in diesem Zusammenhang von einem Sprung ins kalte Wasser spricht. „Es haben sich bei den Schlitten so gut wie alle Parameter verändert, wir hoffen, dass wir im Zuge der Adaptierungen an den richtigen Schrauben gedreht haben.“ Unterstützt wird der 43-jährige Stubaier, der seit 2022 als Cheftrainer von Rodel Austria fungiert, von Technik- und Bahntrainer Peter Penz sowie Lukas Schlierenzauer, der das Athletiktraining leitet und als Starttrainer zum Einsatz kommt. Die Position von Georg Hackl, der das Trainerteam im Zuge der letzten Olympiade verstärkt hat und nach den Cortina-Spielen zurückgetreten ist, wurde aus Kostengründen nicht nachbesetzt. „Wir müssen den Gürtel enger schnallen und mit weniger Budget auskommen“, bestätigt Eigentler und fügt hinzu: „Offen ist auch, ob wir das Startkontingent bei den Weltcups in Asien voll ausschöpfen, auch die Nominierung der zusätzlichen Schlitten für den Nationencup im Rahmen der Weltcup-Wochenenden ist nicht in Stein gemeißelt.“
Konkurrenz belebt das Geschäft
Analog zur vergangenen Olympiasaison, wird auch in dieser Saison beginnend mit der Trainingswoche in Lillehammer eine interne Qualifikationsrangliste geführt. Zum einen um für die Nominierung der Weltcups Klarheit zu schaffen, zum anderen um in Blickrichtung der Heim-Weltmeisterschaft eine faire Ausscheidung garantieren zu können. Nach jedem Trainingskurs erfolgen, sofern es die Witterung und jeweiligen Bahnverhältnisse zulassen, gezeitete Läufe. Für die WM-Nominierung werden in Folge auch die Ergebnisse der Österreichischen Meisterschaft, vier Weltcuprennen und die Leistungen im Rahmen der Internationalen Trainingswoche in Igls Ende Jänner berücksichtigt.


