Vier Medaillen bei den Olympischen Spielen, zwei Siege im Gesamtweltcup, dazu fünf EM-Medaillen – wie zufrieden und stolz stimmt dich die Bilanz der heurigen Saison?
„Ich denke wir können schon sehr stolz sein. Nicht nur auf die heurige Bilanz, sondern auf die gesamte Entwicklung, die wir in den vergangenen vier Jahren durchlaufen haben. Es ist von allen Seiten richtig viel investiert worden, der Prozess war sehr fordernd. Wir haben uns von Jahr zu Jahr gesteigert, das Team hat mit starken Leistungen immer wieder die richtigen Antworten gefunden. Mit der Entwicklung bin ich sehr zufrieden, aber wir haben auch Problemzonen. Es gibt nach wie vor Bahnen, wo wir uns schwertun und es nicht schaffen unser Potential auszuspielen. Das wurmt mich. Damit ist es uns auch nicht gelungen, Deutschland den Rang abzulaufen.“
Du bist 2022 Rene Friedl gefolgt, blickst auf deine erste Olympiade als Cheftrainer von Rodel Austria zurück. Was hast du rückblickend als die größten Herausforderungen empfunden?
„Ich habe von Rene Friedl ein junges, aufstrebendes und bereits sehr erfolgreiches Team übernommen, die Erwartungen waren entsprechend groß, da war schon Druck da. Am herausforderndsten waren nicht Details, sondern der Prozess an sich. Also die Weiterentwicklung und Optimierung permanent im Fokus zu behalten und gleichzeitig die Harmonie und Homogenität innerhalb des Teams nicht zu gefährden.“
Welche Learnings nimmst du für die kommende Olympiakampagne mit?
„Wir müssen vom Beginn weg hungrig sein und dürfen nie lockerlassen. Mir ist wichtig, dass alle an einem Strang ziehen, aber gleichzeitig der teaminterne Konkurrenzkampf intensiv bleibt. Deshalb werden wir die Truppe mit Junior:innen wie beispielsweise den Doppelsitzer-Damen Lina Riedl/Anna Lerch erweitern und weiteren Talenten immer wieder die Chance geben, bei den Arrivierten reinzuschnuppern und sich zu beweisen.“
Der Olympia-Winter ist soeben zu Ende gegangen, wann beginnen die Planungen für die nächste Saison, wann wird die Marschrichtung für La Plagne 2030 festgelegt?
„Die Planungen haben längst begonnen, es ist viel Vorarbeit nötig, da bis zum offiziellen Trainingsauftakt am 20. April nicht viel Zeit bleibt. Wir führen jetzt mit den Athletinnen und Athleten finale Feedbackgespräche, anschließend gehen wir in die Kaderplanung. Parallel dazu gilt es im Trainerstab Georg Hackl zu ersetzen und die Trainingspläne für den Sommer und das Bahntraining im Herbst fertig zu stellen. Zudem müssen wir das Material sichten und den Umstellungsprozess auf den Einheitsschlitten, der ab der kommenden Saison zum Einsatz kommen, weiter vorantreiben.“
Wird seitens Rodel Austria mit Madeleine Egle, deren Sperre am 31. Oktober 2026 ausläuft, geplant?
„Madeleine hat uns gegenüber kommuniziert, dass sie wieder in den Spitzensport zurückkehren und eine weitere Olympiakampagne in Angriff nehmen möchte. Ich kann diese Entscheidung nur begrüßen, Madeleine ist sportlich wie sozial ein sehr wichtiger Faktor in unserem Team, ich würde mich sehr freuen, wenn sie wieder dabei ist. Vorab gilt aber zu klären, ob sie wieder ins Fördersystem aufgenommen wird. Denn ohne Anstellung bei Heer, Polizei, Zoll oder Justizwache ist vielen Spitzensportler:innen in Österreich die Ausübung ihrer Jobs auf Top-Niveau nicht möglich. Das trifft auch auf Madeleine und sämtliche unserer Rodlerinnen und Rodler zu.“
Wieviel Zeit bleibt, um die eigenen Batterien wieder aufzuladen?
„Aktuell bleibt keine Zeit zum Durchschnaufen. Ich habe mir aber in der Osterwoche ein paar Tage eingetragen, die ich mit der Familie irgendwo im Süden genießen werde.“
DAS WURMT MICH

