Mögen die Spiele beginnen

Am 2. Februar checken Hannah Prock, die heute ihren 26. Geburtstag feiert, Lisa Schulte, Dorothea Schwarz, Nico Gleirscher, Wolfgang Kindl und Jonas Müller im olympischen Dorf ein.
Kommenden Samstag werden die Rodelbewerbe im Cortina Sliding Centre mit dem Herren-Rennen eröffnet. Während im Weltcup zwei Läufe in die Wertung einfließen, werden die Einsitzer-Bewerbe bei Olympischen Spielen in vier Durchgängen entschieden und erstrecken sich jeweils über zwei Tage.
 
Am 11. Februar steht dann die Medaillenvergabe im Doppelsitzer auf dem Programm. Neben Herren-Duos treten in Cortina erstmals in der olympischen Geschichte auch Damen-Paarungen an. Selina Egle, Lara Kipp, Juri Gatt, Riccardo Schöpf und Thomas Steu sind ab Samstag vor Ort. Tags darauf werden die Rodelbewerbe in der Dolomitenstadt mit dem Team Staffel-Bewerb abgeschlossen. Bisher pro Nation mit drei Schlitten besetzt, wird der Mannschafts-Bewerb bei Olympischen Spielen erstmals mit dem Damen-Doppelsitzer ergänzt.
 
Sechs Premieren und ein alter Hase
Dorothea Schwarz ist die Jüngste im heimischen Rodel-Aufgebot. Die 21-Jährige feiert in Cortina ebenso ihr Olympiadebüt, wie Jonas Müller und die Doppelsitzer Juri Gatt und Riccardo Schöpf. Dank der Premiere des Damen-Doppelsitzers sind auch Selina Egle und Lara Kipp erstmals bei Olympischen Spielen am Start. Für Wolfgang Kindl ist es hingegen die bereits fünfte Olympiateilnahme. Der 37-Jährige, der in Peking 2022 im Einzel und mit der Mannschaft jeweils Silber gewann, geht gemeinsam mit Thomas Steu auch im Doppelsitzer auf Medaillenjagd. Für den Vorarlberger, der am 9. Februar seinen 32. Geburtstag feiert, ist es der dritte Olympiaeinsatz. 2022 gewann Steu (mit Lorenz Koller) im Doppelsitzer Bronze und mit der Mannschaft Silber. Im Falle einer Nominierung für die abschließende Team Staffel könnte Kindl in gleich drei Disziplinen nach einer Medaille greifen.
 
Das heimische Rodel-Aufgebot wird vor Ort von einem siebenköpfigen Trainerteam an der Bahn und im Schlittenraum mit reichlich Expertise unterstützt. Wie Cheftrainer ChristianEigentler blicken auch Peter Penz, Georg Hackl, Lukas Schlierenzauer, Rene Friedl, Markus Neyer und Markus Prock auf eine erfolgreiche Rodelkarriere zurück.
 
Im Gespräch mit ÖRV-Cheftrainer Christian Eigentler:
 
Nach der offiziellen Verabschiedung in Wien wurde noch in St. Moritz trainiert. Verlief alles nach Wunsch, wie ist die Stimmung im Team?
Christian Eigentler: „Nachdem wir in Igls aktuell nicht rodeln können, mussten wir nach St. Moritz ausweichen. Wir waren in den vergangenen zwei Monaten fast durchgehend unterwegs, das Programm war sehr intensiv, entsprechend locker haben wir die Trainingseinheiten in der Schweiz angelegt. Selina Egle war nach den Wien-Tagen gesundheitlich etwas angeschlagen und ist deshalb vorsichtshalber zu Hause geblieben, Hannah Prock, die zuletzt leichte Rückenprobleme hatte, hat St. Moritz ebenfalls ausgelassen und ein paar Tage im Athlete Performance Center in Thalgau eingeschoben. Die Stimmung innerhalb des Teams ist sehr gut, wir haben vier Jahre auf die kommenden Tage hingearbeitet, sind bereit und fast erleichtert, dass es nun endlich los geht.“
 
Seit 1992 haben die heimische Rodel-Asse bei Olympischen Spielen immer zumindest eine Medaille erobert. In Pyeongchang 2018 war es der komplette Medaillensatz, in China durften sich die ÖRV-Asse zuletzt über zwei Silber- und eine Bronzemedaille freuen. Was hat man sich diesmal vorgenommen, wie beurteilen Sie die Ausgangsposition?
Christian Eigentler: „Wir haben alle Möglichkeiten, können in jeder der fünf Disziplinen um Medaillen mitrodeln. Das ist eine Ausgangsposition, die nicht selbstverständlich, sondern hart erarbeitet ist. Wir waren zuletzt sehr erfolgreich, aber das war Deutschland auch. Die Letten haben viel Qualität in ihren Reihen, das US-Team muss man bei Groß-Events sowieso immer am Schirm haben, zudem rechne ich auch mit sehr starken Gastgebern. Die italienische Mannschaft hat während der Saison zwei ganze Trainingswochen in Cortina eingeschoben, sie werden den Heimvorteil auch bei den Bahnbedingungen voll ausreizen. Es wird auf jeden Fall sehr spannend.“
 
Wie laufen die letzten Tage vor den Bewerben ab?
Christian Eigentler: „Wir haben uns die Bahn im Rahmen einer internationalen Testwoche und beim Cortina Test Event bereits im November erarbeitet, jetzt gilt es die Charakteristik und den Rhythmus wieder aufzunehmen und das Material in den Trainingsläufen bestmöglich auf die Gegebenheiten einzustellen.“
 
Abschließend, wie viele Medaillen machen Österreichs Rodlerinnen und Rodler in Cortina?
Christian Eigentler: „So abgedroschen es auch klingen mag, aber Olympische Spiele haben eigene Gesetze. Es müssen so viele Komponenten zusammenspielen, in einem Sport wo tausendstel Sekunden den Unterschied ausmachen bin ich mit Prognosen vorsichtig. Wenn wir unser Potential voll ausschöpfen, traue ich unserer Mannschaft aber definitiv einiges zu.“