NACHSCHLAG

Österreichs Rodel-Team reist am Samstag mit vier Medaillen im Gepäck zurück in die Heimat. Die kommende Woche dient den Feierlichkeiten, der Aufarbeitung, etwas Ruhe und dem physischen Wiederaufbau, dann geht es nach St. Moritz und zurück in den Weltcup. Noch einmal kurz nachgefragt:

REGULIERT ESKALIERT
Reden ist Schweigen, Silber ist Gold. Der Zug hat keine Bremse, es wird reguliert eskaliert - Ansagen wie diese haben in Cortina für Schmunzeln gesorgt, war dir jemals ein Interview peinlich?
Thomas Steu
: „Im Nachhinein fast jedes. Ich verwechsle manchmal einfach die Sprichwörter. Aber irgendwer erfindet immer neue Redewendungen.“

Welche deiner vier Olympiamedaillen bedeutet dir am meisten und warum?
„Die letzte, die Silberne, die wir in der Team-Staffel gewonnen haben, weil sie für die gesamte Mannschaft steht. Die gehört uns allen - den Trainern, Physiotherapeuten, Familie, Freunden, dem Verband unseren Arbeitsgebern, den Sponsoren, allen Wegbegleitern.“

WECHSELBAD DER GEFÜHLE
Wolfgang, du hast bei Olympischen Spielen bereits vier Silbermedaillen gewonnen. Vor vier Jahren in Peking im Einsitzer und im Team, jetzt in Cortina im Doppelsitzer und neuerlich mit der Mannschaft. Damit ist alles aufgegangen, oder?
Wolfgang Kindl
: „Definitiv! Ich habe meine Allroundqualitäten unter Beweis stellen können und gezeigt, dass meine Entscheidung, es in zwei Disziplinen zu versuchen, richtig war. Jetzt bin ich mit Thomas gemeinsam der Rodler in Österreich mit den meisten Olympiamedaillen. Das macht mich schon sehr stolz und lässt mich überlegen, doch noch weiterzumachen.“

Deine Tochter hatte es ziemlich eilig, wann hast du von der vorzeitigen Geburt erfahren, inwieweit hat dich das beflügelt, respektive eingebremst?
„Einen Tag nach meiner Abreise musste meine Frau ins Krankenhaus, das kam schon sehr unerwartet und plötzlich. Klar hat man das im Hinterkopf, aber es war nicht der Grund, warum es im Einsitzer nicht gelaufen ist. Einen Tag nach dem Rennen war dann die Geburt, das hat mich für das Doppelsitzer-Rennen noch einmal extrem gepusht. Ich habe gewusst, dass alles passt und gut ist und habe mich voll auf´s Rennen fokussieren können.“

FÜR DIE EWIGKEIT
Lara, nachdem ihr bei der Olympiapremiere im Doppelsitzer Bronze gewonnen habt, hast du im Interview gemeint, du würdest dich jetzt am liebsten hinlegen und schlafen. Waren die Anspannung und der Druck so groß?

Lara Kipp: „Ja schon. Der Rennmodus ist derselbe wie im Weltcup, aber das ganze Drumherum, das ist dann schon etwas ganz anderes. Unmittelbar nach dem Rennen ist derart viel Druck abgefallen, da war ich für den Moment einfach leer und völlig fertig. Ich habe mich dann aber rasch wieder gefangen und in den Genussmodus umschalten können.“

Was nimmst du von deiner Olympiapremiere als wertvollste Erfahrung mit?
„Die Erinnerungen an das, was ich in Cortina erleben durfte, werden mich mein Leben lang begleiten. Auch der Umgang mit Drucksituationen war eine wichtige Erfahrung.“

GLAUBE AN DIE EIGENEN STÄRKEN
Ihr hattet aufgrund eurer Erfolge in der vergangenen und aktuellen Saison den wohl größten Erfolgsdruck. Wie bist du damit umgegangen, was hat geholfen, die Ruhe und Konzentration zu behalten?

Selina Egle:„Wir haben schon mitbekommen, dass von uns Medaillen erwartet werden, wir wurden in den Medien ja als sicherer Gold-Tipp gehandelt. Das macht dann schon was mit dir. Wir wussten aber, dass wir es draufhaben und die Medaille auf jeden Fall möglich ist, wenn alles zusammenpasst. Wir haben immer daran geglaubt. Die Form und das Selbstvertrauen haben wir uns über die letzten zwei Jahre erarbeitet, das hat geholfen, den Druck halbwegs auszublenden.“

Welcher Moment wird für immer unvergessen bleiben?
„Das Wissen es geschafft zu haben, die Medaillenübergabe, die erste Umarmung mit den Eltern und meinen Schwestern. Es war alles extrem emotional, ich habe sehr viel weinen müssen. (lacht)“

GESUNDE SELBSTEINSCHÄTZUNG
Jonas, du könntest die Saison nach zwei Olympia-Silbermedaillen mit dem Sieg im Gesamtweltcup krönen. Ein Zähler fehlt auf Felix Loch, zwei Rennen sind noch ausständig. So weit wird es aber nicht kommen, warum?

Jonas Müller: „Weil ich mich wie bereits im letzten Jahr entschieden habe Altenberg auszulassen. Ich habe es in zehn Jahren nicht geschafft mir auf dieser Bahn ein gutes Gefühl zu erarbeiten. Das Verletzungsrisiko ist mir einfach zu hoch, das ist es mir nicht wert.“

Welche Gratulation hat dich am meisten überrascht, welche am meisten bewegt?
„Überrascht war ich, dass mir der Bundespräsident geschrieben hat, am meisten bewegt haben mich die gemeinsamen Momente mit der Familie.“

PAUSE IM KOPF
Lisa, du bist 2024 in Altenberg Weltmeisterin geworden, hast damit eine 64-jährige Durstrecke beendet. Jetzt hast du mit dem Team in Cortina Silber und damit deine erste Olympiamedaille gewonnen. Welcher Erfolg bedeutet dir mehr?

Lisa Schulte: „Schwierig. Altenberg war mein erster großer Erfolg, damit ist mir damals auch der Durchbruch gelungen, das hat schon eine spezielle Bedeutung. Ebenso wie die erste Olympiamedaille, die gerade nach der Enttäuschung im Einsitzer etwas ganz Besonderes ist. Ich könnte nicht sagen, welcher Erfolg mir mehr bedeutet.“

Du führst den Gesamtweltcup im Damen-Einsitzer an. Bist du gedanklich noch in Cortina oder schon beim Weltcupfinale?
„Im Moment habe ich eine Woche Pause im Kopf, wo ich ein bisschen entspannen und abschalten kann. Darauf freue ich mich schon sehr und dann natürlich auf die letzten zwei Weltcup-Rennen, wo ich alles versuchen werde, um die Kugel heimzuholen.“