Nichts muss, alles kann

Kunstbahnrodler Jonas Müller beendet seine aktive Karriere. Der Vorarlberger, der bei seiner Olympiapremiere in Cortina im vergangenen Februar im Einsitzer und in der Teamstaffel die Silbermedaille gewonnen hat, zieht nach einem Jahrzehnt im Profisport einen Schlussstrich.
 
Müller, der 2016 mit dem Sieg bei der Junioreneuropameisterschaft erstmals ins internationale Rampenlicht gerodelt war und im selben Jahr im Weltcup debütierte, gelang 2019 in Winterberg mit WM-Gold im Sprint sein erstes Ausrufezeichen in der allgemeinen Klasse. Ein Jahr darauf gewann er in Sotschi WM-Silber über die olympische Distanz. Die Folgesaisonen verliefen dann weniger nach Wunsch. Müller hatte mit der Form zu kämpfen, rodelte an der Olympiaqualifikation für Peking (2022) vorbei.
 
„Das Verpassen der Peking-Spiele war ein extremer Dämpfer. So groß die Enttäuschung damals auch war, rückblickend hat mich das sogar stärker gemacht. Ich habe mein Mindset geändert, bin die Dinge weniger verbissen angegangen. Nichts muss, alles kann, mit der Einstellung ist die Leichtigkeit und in Folge auch die Qualität zurückgekehrt.“ (Jonas Müller)
 
2023 schürfte der Heeressportler in der deutschen Rodel-Hochburg Oberhof WM-Gold, schrieb als fünfter österreichischer Rodel-Weltmeister im Einsitzer Sportgeschichte und startete einen imposanten Erfolgslauf. 2024 wurde er auf der Heimbahn in Igls erstmals Europameister und konnte den Titel zwei Mal in Folge erfolgreich verteidigen. Mit drei Saisonsiegen im Gepäck reiste Müller im vergangenen Februar als Mitfavorit nach Cortina und lieferte bei seinem Olympiadebüt mit zwei Silbermedaillen (Einsitzer, Team-Staffel) voll ab. Im Weltcup feierte der Bludenzer neun Siege und 27 Podestplätze im Einsitzer. Mit der Staffel errang Müller zwei Weltcupsiege, wurde 2023 Team-Vize-Weltmeister und 2024 Team-Europameister.
 
Ich habe immer davon geträumt bei Olympischen Spielen zu starten, das war mein Antrieb und ganz großes Ziel. Im Gegensatz zur ersten bin ich sehr gut in meine zweite Olympiade gestartet. Es war nicht immer alles perfekt, aber wenn es darauf angekommen ist, habe ich geliefert. Olympische Spiele haben eigene Gesetze, das kann ich mittlerweile bestätigen, umso genialer sind die Silbernen von Cortina.“ (Jonas Müller)
 
Seinen Rücktritt begründete der 28-jährige Vorarlberger mit Motivationsproblemen, selbst die Heim-Weltmeisterschaft im kommenden Februar war kein Anreiz mehr.
 
Ich hatte eine tolle Zeit mit großartigen Erfolgen und bin allen die mich auf meinem Weg unterstützt haben sehr dankbar. Allen voran meinen Eltern, dem Trainer- und Betreuer-Team, der gesamten Mannschaft und dem Verband. Der Aufwand, um ganz vorne mitspielen zu können ist enorm. Eine Saison dauert 14 Wochen, die Vorbereitung zieht sich über acht Monate. Ich müsste längst wieder voll trainieren, um Ansprüche stellen zu können. Der Erfolgshunger hat nachgelassen, es ist der richtige Zeitpunkt ein neues Kapitel abseits des Leistungssportes aufzuschlagen.“ (Jonas Müller)
 
Damit ruhen Österreichs Hoffnungen im Einsitzer auf der Klasse und Erfahrung von Wolfgang Kindl, Nico und David Gleirscher. Noah Kallan (21) und Fabio Zauser (20) sollen den internen Konkurrenzkampf um die Startplätze im Weltcup sowie bei Welt- und Europameisterschaft zusätzlich beleben. Auch Junioren-Weltmeister Paul Socher (2018) wird im Weltcupwinter 2026/2027 seine ersten Einsätze in der allgemeinen Klasse bekommen.
 
Markus Prock (Präsident Rodel Austria):
Natürlich hätten wir uns gefreut, wenn Jonas seine Karriere fortsetzt, aber seine Entscheidung ist ganz klar zu akzeptieren. Jonas hat dem Rodelsport mit seinen Leistungen zu einer größeren Bühne verholfen. Er hat das Team immer unterstützt, wird uns als Mensch und Sportler sicherlich fehlen und immer ein Teil der Rodel-Familie bleiben. Wir wünschen ihm für seine Zukunft das Allerbeste!“
 

Männer Einzel am 06. Dezember 2025, Rennrodel Weltcup VELTINS EisArena Winterberg am 05. - 07. Dezember 2025, Foto: Dietmar Reker / Sportpresse Reker / honorarpflichtiges Foto