Olympia-Ass greift zur Nadel

Kunstbahnrodler Lorenz Koller kann in seiner häuslichen Isolation nicht über Langeweile klagen. Neben seinen sportlichen Hausaufgaben ist der Tiroler Vize-Europameister aktuell in die Produktion von Gesichtsmasken eingebunden.

Daheimbleiben, soziale Kontakte meiden, bereit sein, wenn das Bundesheer ruft und bis auf Weiteres in den eigenen vier Wänden trainieren – der Alltag von Lorenz Koller würde sich nicht wesentlich von dem der anderen heimischen Leistungssportler unterscheiden, wäre da nicht sein handwerkliches Geschick und die diesbezüglich dringend benötigte Unterstützung.
 
Der 25-jährige Innsbrucker, der sich in der väterlichen Sattlerei während seiner Schulzeit das Taschengeld aufgebessert und später neben dem Spitzensport spaßhalber Gürtel, Rucksäcke und Taschen genäht hat, nützt das erlernte Handwerk nun für die Produktion von Gesichtsmasken.
 
„Wir haben vergangene Woche von der WKO Materialen für die Produktion bekommen, ich verbringe seit dem täglich bis zu acht Stunden mit dem Bügeln der Falten und dem Nähen der Masken“, so Koller, der sich dessen bewusst ist, „dass ich damit auch ein Stück weit Verantwortung übernehme. Ich bin froh, dass ich ein Handwerk beherrsche, dass aktuell großen Nutzen hat. Es fühlt sich richtig an mir damit aktuell die Nächte um die Ohren zu hauen.“ Das tägliche Training leidet darunter freilich nicht, „denn es ist mein Job mich bestmöglich fit zu halten. Abgesehen davon ist es für mich aber aufgrund der Situation einfach wichtig und selbstverständlich mitanzupacken.“
 
Währenddessen arbeitet Kollers Doppelsitzer-Partner Thomas Steu nach seiner schweren Verletzung weiterhin am Comeback. Der Vorarlberger hatte sich bei einem schweren Trainingssturz Ende Jänner in Sigulda (LET) einen Schien- und Wadenbeinbruch zugezogen. Nach einer Operation im Sanatorium Kettenbrücke, wo das zertrümmerte Bein vor acht Wochen eingerichtet und mit 25 Schrauben und zwei Platten fixiert wurde, absolviert der 26-Jährige sein Reha-Programm von zu Hause aus.