Rodler legen los

Am Samstag starten im Olympiaeiskanal von Cortina d’Ampezzo die Rodel-Bewerbe mit den ersten zwei Läufen im Einsitzer der Herren. Österreichs Hoffnungen ruhen auf Jonas Müller, Nico Gleirscher und Wolfgang Kindl.

Geht es nach der Papierform und dem Saisonverlauf sind die Top-Favoriten auf der „Pista olimica Eugenio Monti“ mit Felix Loch und Jonas Müller rasch ausgemacht. Der Deutsche gewann in diesem Winter vier, der Vorarlberger drei von bisher sieben Weltcuprennen. Im Gesamtweltcup trennt die beiden gerade einmal ein Zähler. Für Loch, der 2006 im Weltcup debütierte, spricht neben seiner unbestrittenen Extra-Klasse sein enormer Erfahrungsschatz. Der 36-Jährige hat siebenmal den Gesamtweltcup gewonnen, ist dreifacher Olympiasieger und achtfacher Einzel-Weltmeister. Beim Olympic Test-Event im vergangenen November hatte allerdings Jonas Müller die Nase vorne. Der Bludenzer, der zehn Jahre nach Loch sein Debüt im Rodel-Weltcup gefeiert hat, setzte mit WM-Gold im Sprint 2019 sein erstes internationales Ausrufezeichen. Im Jahr darauf gewann der 28-Jährige WM-Silber, 2023 krönte er seinen Aufstieg mit dem Weltmeistertitel. Der Vorarlberger, der Mitte Jänner zum dritten Mal in Serie EM-Gold gewann, feiert im Olympiaeiskanal von Cortina d’Ampezzo seine Olympiapremiere.
 
Geht es um die Medaillen, muss man auch Lochs Landsmann Max Langenhan, in diesem Winter mit sechs Top-3-Plätzen Stammgast am Weltcuppodest, die heimstarken Italiener Dominik Fischnaller und Leon Felderer, den Letten Kristers Aparjods sowie die Österreicher Wolfgang Kindl und Nico Gleirscher auf der Rechnung haben.
 
Für Wolfgang Kindl ist es wie für Loch der bereits fünfte Antritt bei Olympischen Spielen. Nach drei neunten Plätzen in Vancouver, Sotschi und Pyeongchang gewann der Tiroler in Peking 2022 im Einzel und mit der Mannschaft die Silbermedaille. Kindl, seit der Saison 2023/2024 zweigleisig unterwegs, hat sich gemeinsam mit Thomas Steu auch im Doppelsitzer einen Olympia-Startplatz gesichert. Den Test-Event im Einsitzer hat der 37-jährige ÖRV-Routinier auf Rang drei beendet. Nico Gleirscher bestreitet seine zweiten Olympischen Spiele, vor vier Jahren kam der 28-jährige Stubaier in Peking auf Rang zwölf. Gleirscher gewann 2024 bei der Welt- und Europameisterschaft jeweils die Silbermedaille, im Gesamtweltcup der Vorsaison kam er hinter Max Langenhan auf Rang zwei. In der aktuellen Weltcupsaison schrieb Gleirscher, der immer in den Top-8 platziert war, einen dritten Rang (Winterberg) als bestes Resultat an.
 
Die Herren haben heute im Cortina Sliding Center die letzten zwei von insgesamt sechs Trainingsläufen absolviert, dabei hinterließ Wolfgang Kindl mit einer Bestzeit und Rang drei den stärksten Eindruck. Das Gerangel um die Olympiamedaillen im Herren-Einsitzer startet am Samstag um 17 Uhr. Anders als im Weltcup, wo der Sieger in zwei Durchgängen ermittelt wird, werden die Olympischen Spiele im Einsitzer in vier Läufen entschieden, das Rennen erstreckt sich über zwei Tage.
 
Damen zu Wochenbeginn gefordert
Die Damen, die am Donnerstag das Bahntraining vor Ort aufgenommen haben, absolvieren am Samstag und Sonntag noch je zwei Trainingsläufe und starten am Montag (10.02.) in den Bewerb.
Hannah Prock, die nach 2018 (Platz 17) und 2022 (Platz 5) ihren dritten Olympiastart entgegenfiebert, hat in dieser Saison ebenso zwei Weltcupsiege eingefahren, wie die Amerikanerin Summer Britcher und Merle Fräbel. Die amtierende Europameisterin aus Deutschland entschied auch die Olympiageneralprobe im November für sich. Fräbels Landsfrau, Julia Taubitz, die den Gesamtweltcup zuletzt vier Mal in Folge gewonnen hat, musste sich in diesem Winter mit bis dato einem Sieg zufriedengeben. Im Gesamtweltcup hat keine der Genannten, sondern Lisa Schulte die Nase vorne. Die Weltmeisterin von 2024 rodelte in dieser Saison sechsmal in die Top-5, jubelte in den letzten vier Weltcuprennen über drei zweite Plätze. Für die 25-jährige ist es der zweite Olympiaeinsatz, in Peking belegte Schulte Rang sechs. Ergänzt wird das heimische Aufgebot im Damen-Einsitzer von DorotheaSchwarz, die sich erstmals für Olympische Spiele qualifiziert hat. Die 21-jährige Absamerin, der gleich zu Saisonbeginn mit ihrem ersten Podestplatz im Weltcup eine faustdicke Überraschung gelang, bestätigte ihr Potential im Rahmen der Europameisterschaft mit Rang fünf und der Silbermedaille in der U-23-Wertung.
 
Stimmen
Jonas Müller:
„Das Abschlusstraining war positiv, einzig die Kurve 11 macht phasenweise noch Probleme, ich muss mir das nochmals in der Videoanalyse genau anschauen. Vom Eis her war es jeden Tag anders. Es war heute deutlich härter und um eine Sekunde schneller als gestern, das macht die Materialabstimmung sehr herausfordernd. Ich muss schauen, dass ich am Start voll dabei bin und viermal gut durch die Vier und Elf komme. Wenn mir das gelingt, sollte es nicht so schlecht ausschauen.“
 
Nico Gleirscher:
„Ich habe mir im Training zum Teil schwergetan, es hat vom Set-up her nicht so funktioniert wie erhofft. Wir haben bei der Abstimmung sehr viel probiert, ich denke es ist ein Schritt in die richtige Richtung gelungen. Man hat gesehen, dass sich die Verhältnisse sehr rasch ändern können und die Bahn innerhalb von einem Lauf um fünf Zehntel schneller werden kann. Ich gehe die Sache unvoreingenommen an, will morgen zweimal sauber runterfahren, dann schauen wir weiter.“
 
Wolfgang Kindl:
„Prinzipiell ist die Woche sehr gut für mich gelaufen, ich war in allen Trainings vorne dabei.
Ich wollte heute beim Set-up noch etwas probieren, aber der erste Lauf hat sich sehr gut angefühlt, nach der Bestzeit habe ich dann nichts mehr verändert. Ich kann sehr zuversichtlich reinstarten, möchte meine Erfahrung so gut wie möglich ausspielen und es über die Konstanz machen. Die Bewerbe sind am Abend, ich hoffe, dass es noch ein bisschen kälter wird, das wäre für uns besser. Die Bahn kommt mir entgegen, ich habe im Training gezeigt, dass sie liegt mir liegt und brauche mich sicher nicht verstecken. Das Ziel ist eine Medaille.“